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Literature: Goethe - Das Märchen

  Seite 27: J. W. von Goethe: Das Märchen



deutscher Text English text
 

Ermannt Euch, schöne Lilie! rief die Frau, indem sie selbst eine Träne abtrocknete, welche ihr die Erzählung des unglücklichen Mädchens aus den Augen gelockt hatte, nehmt Euch zusammen, mein Alter läßt Euch sagen, Ihr sollt Eure Träne mäßigen, das größte Unglück als Vorbote des größten Glücks ansehen; denn es sei an der zeit; und wahrhaftig, fuhr die Alte fort, es geht bunt in der Welt zu. Seht nur meine Hand wie sie schwarz geworden ist! Wahrhaftig sie ist schon um vieles kleiner, ich muß eilen, eh' sie gar verschwindet! Warum mußt' ich den Irrlichtern eine Gefälligkeit erzeigen, warum mußt' ich dem Riesen begegnen und warum meine Hand in den Fluß tauchen? Könnt Ihr mir nicht ein Kohlhaupt, eine Artischocke und eine Zwiebel geben? so bring ich sie dem Flusse und meine Hand ist weiß wie vorher, so daß ich sie fast neben die Eurige halten könnte. Kohlhäupter und Zwiebeln könntest du allenfalls noch finden: aber Artischocken suchest du vergebens. Alle Pflanzen in meinem großen Garten tragen weder Blüten noch Früchte; aber jedes Reis, das ich breche und auf das Grab eines Lieblings pflanze, grünt sogleich und schießt hoch auf. Alle diese Gruppen, diese Büsche, diese Haine habe ich leider wachsen sehen. Die Schirme dieser Pinien, die Obelisken dieser Zypressen, die Kolosse von Eichen und Buchen, alles waren kleine Reiser, als ein trauriges Denkmal von meiner Hand in einen sonst unfruchtbaren Boden gepflanzt.

 

"Take courage, beautiful Lily," interrupted the old woman, whilst at the same moment she wiped away a tear which the narration of the sorrowful maiden had brought to her eye,"take courage, and learn from my experience to moderate your grief. Great misfortune is often the harbinger of intense joy. For the time approaches: but in truth," continued she, "'the web of life is of a mingled yarn.' See my hand, how black it has grown; and, in truth, it has become much diminished in size: I must be speedy, before it be reduced to nothing. Why did I promise favours to the Will-o'-the-wisps, or meet the Giant, or dip my hand into the river? Can you oblige me with a cauliflower, an artichoke, or an onion? I shall take them to the river, and then my hand will become so white that it will almost equal the lustre of your own."
"Cauliflowers and onions abound, but artichokes cannot be procured. My garden produces neither flowers nor fruit; but every twig I plant upon the grave of anything I love bursts into leaf at once, and grows a goodly tree. Thus, beneath my eye, alas, have grown these clustering trees and copses. These tall pines, these shadowing cypresses, these mighty oaks, these overhanging beeches, were once small twigs planted by my hand, as sad memorials, in an ungenial soil."


Vokabular  
   
   
   
   
   
   
   
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